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22.7.2017 : 8:50 : +0200

Libkan Basajewa

Libkan Bazaeva | Tschetschenien

Begründung des Vergabebeirates

In seiner Sitzung am 13.07.2005 beschloss der Weimarer Stadtrat einstimmig, den Menschenrechtspreis der Stadt Weimar im diesem Jahr an die Friedensaktivistin Libkan Bazajewa aus Tschetschenien zu verleihen. Mit der Auszeichnung würdigt die Stadt ihr langjähriges Engagement für eine gewaltfreie Lösung des Konfliktes in Tschetschenien sowie ihren unermüdlichen Einsatz für die Einhaltung der Menschenrechte in der Region, der sie oft selbst in Gefahr brachte. Damit wurde der Vorschlag ausgewählt, den die "Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte" eingereicht hatte. Es gab insgesamt 11 Vorschlägen, die in diesem Jahr aus aller Welt Weimar erreichten.

Lebenslauf

Die 56-jährige Menschenrechtlerin und Pazifistin Libkan Bazajewa ist Friedensaktivistin, Gründerin des Frauenzentrums "Frauenwürde" in Grosny und Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation "Memorial" sowie der "Vereinigung der Frauen des Nordkaukasus"

"In Russland ist es gefährlich über Frieden und Menschenrechte zu sprechen. In Tschetschenien enden diejenigen, die es wagen, tragisch und manchmal tödlich", sagt Libkan Bazajewa.

Beim Europäischen Gerichtshof klagte Libkan Bazajewa, bereits vor den Wahlen in Tschetschenien, gemeinsam mit sechs weiteren Klägerinnen ihr "Recht auf Leben und Unversehrtheit, das Recht auf Unverletzlichkeit des persönlichen Besitzes und auf Rechtshilfe" ein, nachdem ein russisches Gericht den Beschuss einer Flüchtlingskolonne im Jahr 1999 für Recht erklärt hatte. Nach einem Aufruf durch den russischen Rundfunk waren damals tausende von Menschen, darunter auch Libkan Bazajewa, über einen "Humanitären Korridor" aus Grosny geflohen. Die kilometerlange Wagenkolonne wurde entgegen allen Absprachen von der russischen Luftwaffe angegriffen. Es gab ungezählte 25 Tote und 70 Verwundete. Am 25. Februar 2005 erging das Urteil des Europäischen Gerichtshof: Der russische Staat wurde wegen schwerwiegender Verletzung der Menschenrechte in Tschetschenien zu einer Geldstrafe in Höhe von 136.000 Euro verurteilt. Zum Urteil erklärte Bazajewa, dass sie "sehnlich hoffe, dass es den internationalen Druck auf Russland verstärke und die Regierung dazu bringe, Friedensverhandlungen mit Tschetschenien aufzunehmen".
Die 56-jährige Menschenrechtlerin und Pazifistin Libkan Bazajewa ist Gründerin des Frauenzentrums "Frauenwürde" in Grosny und Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation "Memorial" sowie der "Vereinigung der Frauen des Nordkaukasus".

Bis 1994 war Libkan Bazajewa als Dozentin für russische Literatur und Linguistik an der Universität Grosny tätig. Seit nunmehr 11 Jahren engagiert sie sich gegen den Krieg in ihrem Land. Sie dokumentierte zahlreiche Fälle von tschetschenischen Bürgerinnen und Bürgern, die durch Militärs ermordet, erniedrigt oder entführt wurden und berichtete darüber vor dem Europarat, der UN-Menschenrechtskommission in Genf (April 2004) und vor dem Auswärtigen Amt. "Stellen Sie sich den großen Verlust für Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft vor, wenn 40% der Bevölkerung nicht mehr da sind", so Libkan Bazajewa. Ebenfalls arbeitet sie eng mit dem OSZE-Büro in Wien, der Organisation "amnesty international" und der "Gesellschaft für bedrohte Völker" zusammen.

In den ersten Jahren ihres Engagements organisierte Bazajewa Friedensmärsche, half russischen Müttern, ihre Söhne von der Front abzulösen, und gründete die "Union der Tschetschenischen Frauen Itschkerias" sowie eine "Landwirtschaftskooperative zur Selbstversorgung tschetschenischer Kriegswitwen und Kriegswaisen". Beide Einrichtungen fielen einem Bombenangriff zum Opfer. Im Juli 2002 richtete sie das Frauenzentrum "Zenskoje Dostoinstvo" (Frauenwürde) ein, das psychologische Betreuung, juristischen Rat, medizinische Versorgung und Qualifikationsmaßnahmen für Frauen und Jugendliche bietet. Im Herbst 2002 gründete sie eine Einrichtung "Elsa Kungajewa" für vergewaltigte Frauen im benachbarten Inguschetien. Sie hat vier Kinder und zwölf Enkelkinder. Sie verlor zwei ihrer Brüder im Krieg in Tschetschenien.