Sie sind hier: Aktuelles
DeutschEnglishFrancais
26.9.2017 : 9:26 : +0200

News

Die Preisträgerinnen 2009

 

Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am 8. Juli 2009 beschlossen, den Menschenrechtspreis 2009 Frau Jestina Mukoko aus Simbabwe und Frau Sonja Biserko aus Serbien zu verleihen.

Anlässlich des 15-jährigen Jubiläums des Menschenrechtspreises der Stadt Weimar gibt es in diesem Jahr zwei Preisträger. In Anbetracht der vielen Vorschläge für den diesjährigen Menschenrechtspreisträger entschied sich der Stadtrat, zwei Preisträger zu ehren. Als Kandidaten standen zehn Menschenrechtler bzw. Organisationen aus den verschiedensten Ländern der Welt zur Auswahl. Allen ist eines gemeinsam: Der besondere Einsatz für die Wahrung und Verwirklichung der Menschenrechte, auch unter Bedrohung von Leib und Leben. Die Stadt Weimar ehrt mit der Vergabe des Menschenrechtspreises das Engagement dieser Menschen. Die Verleihung findet seit 1995 alljährlich am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, statt. Der Preis ist mit jeweils 2.500 Euro dotiert.

Jestina Mukoko

Frau Jestina Mukoko wurde 1955 geboren. Die ausgebildete Politologin besitzt ein Diplom in Public Relations und hat ihren Magister in Betriebsökonomie an der Universität von Simbabwe (2006 - 2009) erworben. Die Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation „Zimbabwe Peace Projekt“ (ZPP) wurde von Herrn Günter Nooke, Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt vorgeschlagen.
Frau Mukoko setzt sich seit Jahren zusammen mit einem breiten Netzwerk an MitarbeiterInnen für die Förderung und Verwirklichung von Demokratie und Menschenrechten sowie Geschlechtergerechtigkeit ein. Sie war Gründungsmitglied von “Radio Voice of the People”, der ersten unabhängigen simbabwischen Radiostation und verfügt über umfangreiche Erfahrung als Journalistin, Redakteurin und (Radio-)Produzentin.
Seit 2007 ist sie Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation „Zimbabwe Peace Projekt“ (ZPP). Das  „Zimbabwe Peace Projekt“ wurde 2000 gegründet und gehört zu den führenden Organisationen Simbabwes, die Menschenrechtsverletzungen dokumentieren, veröffentlichen und für die Rechte von Opfern und Verfolgten eintreten. Wichtiges Anliegen der Organisation ist die umfassende Verwirklichung von Gerechtigkeit, Freiheit, Frieden und Menschenwürde in Simbabwe. Grundlage der Arbeit von ZPP ist die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen und die Verbreitung dieser an politische Interessenträger. Frau Mukoko und ihr Netzwerk von Menschenrechtsaktivisten sammelten Beweise gegen das Regime von Robert Mugabe.
Sie wurde international bekannt, nachdem simbabwische Sicherheitskräfte sie im Dezember 2008 aus ihrem Haus verschleppten und für 3 Monate festhielten. Mehrfach wurde Frau Mukoko in dieser Zeit gefoltert. Trotz dieser traumatischen Erfahrungen hält sie dennoch an ihrem Ziel fest, den Grundrechten in ihrem Land wieder zur Geltung zu verhelfen. Auf Grund ihres aktiven Kampfes für die Einhaltung der Menschenrechte ist Frau Mukoko akut bedroht. Sie ist eine der 18 Menschenrechtler, die am 15. Mai dieses Jahres erneut inhaftiert wurden. Der Oberste Gerichtshof von Simbabwe verkündete am Montag, dem 28. September die Einstellung des Verfahrens gegen die angesehene Menschenrechtsverteidigerin Jestina Mukoko.
Der Leiterin des "Zimbabwe Peace Project" (ZPP) war vorgeworfen worden "Personen zu rekrutieren und auszubilden, um die Regierung zu stürzen".
"Wir begrüßen diese Grundsatzentscheidung des Obersten Gerichtshofs von Simbabwe", sagte Irene Khan, die Generalsekretärin von Amnesty International. "Die Regierung muss alle Anklagen gegen Menschenrechtsverteidiger und politische Aktivisten fallen lassen, die lediglich Gebrauch von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung gemacht haben." Es wird angenommen, dass die Vorwürfe gegen Jestina Mukoko von der vorherigen Regierung erfunden worden sind, um vermeintliche politische Gegner einzuschüchtern.
"Ich bin so erleichtert. Zum ersten Mal seit dem 3. Dezember 2008 kann ich wieder ein normales Leben führen“, sagte Jestina Mukoko in einem Gespräch mit Amnesty International.
Gegenwärtig strebt Frau Mukoko mit einer Gruppe simbabwischer Menschenrechtsaktivisten eine Klage gegen die simbabwische Regierung (vor allem gegen Mitarbeiter Robert Mugabes) in Höhe von 500.000 US Dollar für die in der Haft erlittenen Misshandlungen an. Ein Signal, was vielen simbabwischen Menschenrechtlern neue Hoffnung im Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen im Land geben könnte.

Sonja Biserko

Geboren wurde Sonja Biserko 1948 in Belgrad. Nach ihrem Studium der Wirtschaftswissenschaften arbeitete sie vier Jahre im diplomatischen Dienst an der Botschaft in London. Danach war sie vier Jahre als Mitglied der UN-Mission tätig. Die Präsidentin des „Helsinki Komitees für Menschenrechte in Serbien“ (HCHRS) wurde von der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ vorgeschlagen.
Frau Biserko zählt zu den bekanntesten Menschenrechtsaktivisten Serbiens. Sie ist eine der wenigen, die es schon in der Zeit des Milosevic-Regimes wagten, ihre Stimme gegen Verbrechen seitens der Regierung zu erheben. Sie ist Präsidentin des „Helsinki Komitees für Menschenrechte in Serbien“. Die Organisation wurde im September 1994 gegründet und widmet sich der Überwachung der Menschenrechtsverletzungen in Serbien und der Mobilisierung des internationalen Drucks zwecks lokaler Veränderungen.
Frau Biserko ist auch in verschiedenen anderen Nichtregierungsorganisationen für die Durchsetzung der Menschenrechte aktiv. Auf Grund ihres Eintretens für die konsequente Bestrafung der Kriegsverbrecher, gegen nationalistische Bewegungen in Serbien und für die unbedingte Durchsetzung und Einhaltung der Menschenrechte in dieser Region, ist sie immer wieder Verleumdungskampagnen sowie physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt. Nach der Veröffentlichung eines Berichts für das Jahr 2007, der Menschenrechtsverletzungen der serbischen Regierung auf den Balkan während der 1990er Jahre dokumentiert erhielt das Komitee Drohbriefe, von denen einige ausdrücklich an Sonja Biserko gerichtet waren. Frau Biserko beeindruckt als Menschenrechtlerin vor allem durch ihr Zivilcourage und die Tatsache, dass sie ihre Arbeit trotz enormen Druck und ständiger Angst weiterführt.
Der nun stattfindende Kriegsverbrecherprozess gegen Radovan Karadzic, dem ehemaligen Präsidenten der bosnischen Serben, wird von Sonja Biserko und dem „Helsinki Komitee für Menschenrechte in Serbien“ aufmerksam beobachtet. Die Hoffnungen, dass der Prozess gegen Karadzic die Aufarbeitung der Kriegsvergangenheit Serbiens beschleunigt sieht Frau Biserko eher negativ. Eher dürfte das Verfahren den Graben zwischen beiden Lagern vertiefen, schätzt die serbische Menschenrechtsaktivistin. Für eine breite und vernünftige Debatte fehlt ihr in Serbien bisher der politische Wille: "Es gibt hier zu viele, die eine solche Diskussion verhindern wollen, weil sie ihnen schaden könnte. Der serbische Nationalismus ist noch immer sehr lebendig. Bevor er nicht bekämpft wird, werden wir uns unserer Vergangenheit nur schwer stellen!"

Die bisherigen Preisträger

1995  Walter Schilling, Deutschland; Selim Beslagic, Bosnien 
1996  Dr. Luis Guillermo Pérez Casas, Kolumbien 
1997  Dr. Beko Ransome-Kuti, Nigeria 
1998  Meral Danis Bestas, Türkei 
1999  Heike Kammer, Deutschland; Jean-Paul Bengehya Muhanano, Kongo
2000  Pater Shay Cullen, Philippinen 
2001  Shahnaz Bokhari, Pakistan 
2002  "Jamaicans For Justice", Jamaica 
2003  Riad Seif, Syrien 
2004  Paul Polansky, USA/Kosovo 
2005  Libkan Bazajewa, Tschetschenien 
2006  Dr. Guillermo Fariñas Hernández, Kuba 
2007  Nimisha Desai, Indien
2008  Issam Younis, Gaza