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26.9.2017 : 9:26 : +0200

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Rückblick: Preisverleihung 2009

 

„Genau 61 Jahre nach der Aufsetzung der ‚Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte’ ehrte die Stadt Weimar zwei mutige Frauen für ihr unermüdliches Engagement zur Verteidigung der Menschenwürde – auch unter der Gefahr für Leib und Leben.“ So würdigte Oberbürgermeister Wolf im Rahmen einer feierlichen Sitzung des Weimarer Stadtrates am 10. Dezember 2009 die beiden Menschenrechtsaktivistinnen Sonja Biserko aus Serbien und Jestina Mukoko aus Simbabwe mit dem Weimarer Menschenrechtspreis. An den beiden folgenden Tagen hatte die Stadt zum 15. Jubiläum der Preisverleihung zusätzlich zu einer Konferenz „Menschenrechte zwischen Anspruch und Realität“ eingeladen. Zehn Referenten, darunter acht bisherige Preisträger, und Teilnehmer aus weiteren elf Nationen waren der Einladung gefolgt.

„Lassen wir uns anrühren, aufregen und bewegen. Werden wir verstärkt zu Akteuren unserer Absichten und Worte.“ So appellierte Dr. Christoph Victor, der Vorsitzende des Vergabebeirates des Weimarer Menschenrechtspreises an die Gäste der Preisverleihung und die Öffentlichkeit zur Würdigung der diesjährigen Preisträgerinnen, ihr Augenmerk besonders auf Menschenrechtsverletzungen zu richten, die weltweit immer noch an der Tagesordnung sind.
Mit der Preisvergabe an die beiden Menschenrechtsaktivistinnen sowie der anschließenden Konferenz mit der daraus verabschiedeten Deklaration ’zur Wahrung der Menschenrechte’ wurden von Weimar aus neue Impulse für Frieden, Mitgefühl und Toleranz in die Welt gesendet. Ebenfalls beehrten auch viele ehemalige Preisträger die Stadt und bereicherten mit ihren Beiträgen und Debatten die diesjährige Menschenrechtskonferenz. Zum Tagesprogramm gehörten neben den vielen öffentlichen Auftritten auch ganz persönliche Treffen und bei den allabendlichen Zusammenkünften wurden neue Netzwerke und Kontakte geknüpft, Synergien entstanden.
Im Mittelpunkt dieser Tage standen aber vor allem die neuen Preisträgerinnen. Für Sonja Biserko war es eine besondere Würdigung ihrer Arbeit, da ihr nicht selten Hohn und Spott im eigenen Land entgegengebracht werden: „Serbien hat sich bisher weder mit der Wahrheit auseinandergesetzt noch hat es sich deutlich vom Erbe der Milošević- Politik distanziert; im Gegenteil beobachten wir einen inszenierten Gedächtnisschwund und eine allgemeine Neuinterpretation sowohl der historischen als auch der jüngeren Vergangenheit“, kritisiert die 1948 in Belgrad geborene Menschenrechtsaktivistin. Mit ihrer unüberhörbaren Stimme gegen das Milošević- Regime hat sie sich viele Feinde gemacht, was besonders drastisch die Anfeindungen und Morddrohungen gegen sie bezeugen.
Wie Sonja Biserko arbeitet auch Jestina Mukoko unter ständiger Bedrohung ihrer Person und es war lange unklar, ob die 42-jährige Menschenrechtsaktivistin aus Simbabwe den diesjährigen Weimarer Menschenrechtspreis persönlich entgegennehmen konnte: Ziemlich genau ein Jahr zuvor wurde sie von simbabwischen Sicherheitskräften aus ihrem Haus entführt und gefoltert. Als eine der größten Kritikerinnen des Mugabe Regimes hat sie die Staatsmacht besonders herausgefordert, welche sehr darum bemüht ist, die Vorsitzende des Zimbabwe Peace Projects (ZPP) mundtot zu machen. Der Druck der Weltöffentlichkeit und nicht zuletzt der Menschenrechtspreis der Stadt Weimar können Frau Mukoko wie auch Frau Biserko schützen, indem Öffentlichkeit und Medienpräsenz hergestellt und somit ihren Gegnern diverse Restriktionen oder gar ein „Verschwindenlassen“ erheblich erschwert werden. Für Jestina Mukoko ist die Preisverleihung ein persönlicher Triumph: „Eine solche Würdigung meiner Bemühungen treibt mich an und motiviert mich, noch härter für die Verteidigung der Menschenrechte zu arbeiten.“
Die Vergabe des nunmehr 15. Menschenrechtspreises ist für Weimar eine wichtige Etappe im Kampf für weltweite Menschenrechte – bis zur Universalität und unveräußerlichen Unteilbarkeit dieser Rechte ist es jedoch ein weiter Weg. Und so wird auch 2010 wieder ein Menschenrechtspreis verliehen werden und das stetige Engagement der Stadt ist weiter gefragt.