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26.9.2017 : 9:26 : +0200

Jestina Mukoko - Kämpferin für die Würde (von Björn Menzel)

Die aus Simbabwe stammende Jestina Mukoko kämpft für Menschenrechte in ihrem Land. Dafür hat die mutige Frau schon einiges auf sich genommen und Schlimmes erfahren müssen.

Der erste Eindruck ist ein fröhlicher. Da sitzt eine lächelnde Frau, sie trägt goldene Ohrringe, eine goldene Kette und eine Brille mit dickem schwarzen Rand. Locker beantwortet sie alle Fragen. Doch der Eindruck trügt. Ganz so fröhlich, locker und golden geht es hinter der Fassade der 42- jährigen Frau nicht zu. Jestina Mukoko kann erst seit wenigen Wochen wieder ein normales Leben führen. Ein Jahr lang war dies anders.

Mukoko sitzt im thüringischen Weimar im Grand-Hotel Russischer Hof. Heute Abend wird ihr zusammen mit Sonja Biserko aus Serbien der Menschenrechtspreis der Stadt überreicht. Die Ehrung ist eine kleine Anerkennung für ihren Kampf gegen das Regime von Robert Mugabe in Simbawe. Seit Jahren setzt sich Mukoko für mehr Demokratie und Geschlechtergleichheit ein. Vor allem sammelt sie mit ihrem Team Beweise gegen die Mugabe-Regierung. «Ich bin motiviert, noch härter für die Verteidigung der Menschenrechte zu arbeiten», sagt sie.

Das bisherige Engagement der Menschenrechtlerin stieß keineswegs auf Freude bei Simbabwes Regierungspartei. Mukoko wurde am 3. Dezember 2008 von bewaffneten Männern in einer Nacht - und Nebelaktion aus ihrem Haus in Norton entführt. Oppositionelle gehen davon aus, dass Schergen Mugabes hinter der Entführung steckten. Nach Aussage ihres 15-jährigen Sohnes Takudzwa haben sich die Bewaffneten als Polizisten ausgegeben. Mukoko und einige ihrer Mitstreiter mussten sich Anfang 2009 vor einem Gericht in Harare wegen Verschwörung zum Putsch verantworten.

Die Anklage wurde mittlerweile fallen gelassen. Geblieben sind die furchtbaren Erinnerungen an die Haft. Mukoko wurde viele Male gefoltert, mittels Schlägen auf ihre Fußsohlen. Die medizinische Versorgung wurde ihr versagt. Im Mai inhaftierte die Regierung Mukoko erneut. «Erst Ende September hat ein Gericht meiner Klage stattgegeben, dass die Inhaftierung nicht rechtens war», sagt sie. Vor diesem Urteil wäre es fast unmöglich gewesen, zur Preisverleihung nach Deutschland zu kommen. So ein Preis stärke auch ihren Stand in Simbabwe.

«Der Preis ist für mich wichtig», sagt Jestina Mukoko zu news.de. Er helfe bei der Arbeit in Simbabwe, auch wenn es Leute gebe, die so einen Preis als dubios ansehen. Dies zeige jedoch, dass sich Gegner damit beschäftigen. «Die Arbeit unsere Organisation erfährt international Aufmerksamkeit und das steigert das Gewicht unseres Engagements.» Internationaler Druck helfe beim Kampf gegen das Regime.

Was ihr das Mugabe-Regime bisher auch nicht nehmen konnte, ist der Wille, weiterhin für Freiheit, Würde und Frieden zu kämpfen. «Die unangenehmen Erfahrungen haben mich furchtloser und entschlossener gemacht», sagt sie. Bereits seit 2007 ist sie Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation «Zimbabwe Peace Projekt» (ZPP). Seitdem wird Mukoko die «schärfste Stimme gegen Robert Mugabe» genannt.

(news.de | 10.12.2009)