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26.9.2017 : 9:26 : +0200

Zwischen Anspruch und Realität (RK Nr. 24 | 09)

(v.l.n.r.) Shumail Rashid, Pater Shay Cullen, Libkan Bazaeva, Paul Polansky, Heike Kammer, Sonja Biserko und Jestina Mukoko

»Genau 61 Jahre nach der Aufsetzung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ehrte die Stadt Weimar zwei mutige Frauen für ihr unermüdliches Engagement zur Verteidigung der Menschenwürde – auch unter der Gefahr für Leib und Leben.«

So würdigte Oberbürgermeister Wolf im Rahmen einer feierlichen Sitzung des Weimarer Stadtrates am 10. Dezember 2009 die beiden Menschenrechtsaktivistinnen Sonja Biserko aus Serbien und Jestina Mukoko aus Simbabwe mit dem Weimarer Menschenrechtspreis.

An den beiden folgenden Tagen hatte die Stadt Weimar anlässlich des 15. Jahres der Preisverleihung zu einer Konferenz »Menschenrechte zwischen Anspruch und Realität« eingeladen. Zehn Referenten, darunter acht bisherige Preisträger und Teilnehmer aus weiteren elf Nationen waren der Einladung gefolgt. Mehr als 80 Interessierte, darunter viele Schüler, beteiligten sich an den Debatten, die Dennis Seifarth, Völkerrechtler an der FSU Jena, moderierte.

»Wir bringen hier die ganze Welt in einen Raum und lernen viel von einander« – mit diesen Worten sprach Shumail Rashid, Sohn der pakistanischen Menschenrechtspreisträgerin von 2001, Shahnaz Bokhari, allen aus dem Herzen. Die Themenpalette zeigte einmal mehr, dass seit der Verabschiedung der UN-Menschenrechtserklärung von 1948 die internationale Durchsetzung der Menschenrechte noch immer keine Realität ist – weltweit! So stand am Ende der zweitägigen Konferenz ein Appell der Teilnehmer an die Vereinten Nationen, noch stärker gegen Diskriminierung und Gewalt vorzugehen: Gegen Verletzungen von Frauenrechten in den Kriegs- und Krisengebieten der Welt, von Rechten der Roma im Kosovo, der unterdrückten Minderheiten in der Türkei, der Kinder auf den Philippinen, der Zivilbevölkerung im Gazastreifen, in der West- Bank und in Ost-Jerusalem. Zum Abschluss besuchten die Konferenzteilnehmer die Gedenkstätte Buchenwald, wo sie einen Kranz niederlegten. Konferenzleiter Dr. Christoph Victor betonte abschließend nochmals die Notwendigkeit, weltweit – und nicht zuletzt zu Hause – die Menschenrechte zu verteidigen: »Dass beispielsweise in unserem Land, in unserer Stadt eine Partei legitimiert ist, die den Gedanken eines menschenverachtenden Denkens und Handelns nahe steht und diese teilweise offen propagiert, ist für mich nicht hinzunehmen. Dass es dagegen engagierte Mitbürger gibt, die Flagge zeigen für die Einhaltung der Menschenrechte und gegen nationalsozialistisches Gedankengut, wie heute Abend vor diesem Haus, ist ermutigend. Davon brauchen wir mehr: Mehr Aufklärung, mehr Geschichtsbewusstsein, mehr Bildung, mehr Verantwortung und wenn es nötig wird, mehr demokratischen Widerstand.«